Kenia 4: Der Chala-See
Kenia 4: Der Chala-See
29.06.10
Wir zollen dem Kilimanjaro Respekt in dem wir ihn fast umrunden. Diese Tour an seiner östlichen Flanke entlang trägt uns vorbei am Lake Chala, einem Vulkankratersee. Man möchte meinen, dass ausgestattet mit GPS und „tracks for africa“ jede Route zu finden ist, aber diesmal scheinen wir uns tatsächlich eines der abgelegeneren Ziele herausgesucht zu haben. Jedenfalls stehen wir am Fuße des Vulkankegels etwas ratlos zwischen Dornbüschen und suchen nach dem Weg hinauf. Stefan schickt mich zur Fußpirsch (wer nicht fahren will muss fühlen) und ich nehme tatsächlich die Fährte auf. Steffen fährt voraus, sehr zu meiner Beruhigung, denn bei diesem holprigen Gelände aus Felsgestein weiss man nie genau, was einen um die nächste Biegung erwartet. Aber wir reden hier über zwei Land Rover. Ehrensache, dass sie sich gemeinschaftlich bergan schaukeln, um kurz darauf auf dem Kraterrand zu surfen, wie zwei Holzkähne auf hoher See. An höchster Stelle des Kraterrandes entdecken wir tatsächlich die Lodge, von der in unserem Reiseführer die Rede ist. Allerdings scheint diese inzwischen verlassen. Lediglich drei Einheimische „Indianer“ (O-Ton Steffen) huschen verschreckt hinter die maroden Fensterläden, als sie uns bemerken. Als wir das Objekt näher in Augenschein nehmen, bleibt uns fast der Atem stehen. Die Lodge hat einen traumhaften Ausblick über den gesamten Kratersee. Der Garten quillt über vor mediterran anmutender Blütenpracht. Die Lodge selbst muss einmal sehr herrschaftlich und edel gewesen sein. Die einstige Bar (heute zum Leidwesen unserer Männer leergetrunken) steht noch in voller Schönheit da, mit Rundbögen die den freien Blick auf die Landschaft zulassen. Bereits jetzt ist es beschlossene Sache, wir werden heute dort ein opulentes Mal kochen und der untergehenden Sonne dabei zusehen wie sie sachte in den See gleitet. Die drei Einheimischen trauen sich nun aus ihrem Versteck und erzählen uns, dass die Lodge schon seit dem Jahr 2000 nicht mehr bewirtschaftet ist. Wir wundern uns darüber, denn dafür ist die Anlage noch in gutem Zustand und sehr sauber. Nach kurzer Diskussion kommen wir zu dem Schluss, dass das Dreigestirn wahrscheinlich dafür entlohnt wird, alles notdürftig zusammenzuhalten. Da manche Bungalows nie fertig-gestellt wurden, nehmen wir an, dass dem Besitzer schlicht das Geld ausging. Wahrscheinlich hofft er darauf, irgendwann verkaufen oder wieder neu eröffnen zu können. In der Zwischenzeit hängen im Speisesaal die Fledermäuse von der Decke und durch die Mahagoni-Balken pfeift der raue Wind des Kratersees. Wir Vier machen es uns gemütlich und dinieren ganz nach unserem Vorsatz in der Bar auf weissen Tischdecken (wozu ein altes Bettlaken nicht alles gut ist) und tauschen Reiseanekdoten aus, bis die Nacht herein-bricht.
Am nächsten Morgen entlohnen wir die Einheimischen - die brüderlich ihr Feuerholz mit uns teilten und uns erlaubten hier zu kampieren – mit Zigaretten und einem kleinen Geldbetrag. Danach trennen sich unsere Wege, denn Steffi und Steffen wollen noch in Kenia bleiben, während unser nächstes Reiseziel Tanzania heisst.
Lake Chala Safari Lodge
Camp mit super Aussicht
Die Bar: Da war wohl jemand vor uns da
Dinner for four - Rinderfilet und Rotwein